
Am vergangenen Wochenende wurden in Brüssel beim "ultimativen" EU –Gipfel zur Rettung des Euros und der angeschlagenen Staatsfinanzen der EU - Mitglieder einmal mehr "entscheidende Schritte" getan, um diese Herkulesaufgabe zu bewältigen.
"Merkozy" konnten sich dabei mit ihrer Forderung nach einer Schuldenbremse für alle EU – Länder und entsprechend harten Sanktionen für Defizitsünder durchsetzen – nur Großbritannien verweigert sich - was zwar bedauerlich, aber nicht entscheidend sein dürfte. Diese Beschlüsse sollen nun die Märkte beruhigen und die Glaubwürdigkeit in das Handeln der Politik und die künftige Solidität europäischer Staatshaushalte wieder herstellen.
Diese Behebung eines Konstruktionsfehlers des Euros ist als ein erster Schritt in die richtige Richtung zu begrüßen, denn natürlich ist es wichtig, eine Einheitswährung auch durch einheitliche Maßstäben bei der Schulden- und Fiskalpolitik zu flankieren.
Warnschüsse an die Politik
Dies sollte spätestens nach den Warnschüssen der letzen Wochen klar geworden sein – seien es die massiv angestiegenen Zinsen für italienische Staatsanleihen, oder der Flop bei der jüngsten Auktion deutscher Staatsanleihen oder last but not least die Drohung der Ratingagentur S&P, nahezu alle Europäischen Länderbonitäten, auch die deutsche, demnächst herabzustufen. Zwar haftet dieser Drohung durchaus ein gewisser bitterer politischer Beigeschmack an und der Verdacht drängt sich auf, dass hier neben dem Gläubigerschutz auch amerikanische Interessen vertreten wurden - dennoch muss man sie ernst nehmen. Zu viele Käufer von Staatsschulden richten sich nach diesen Ratingurteilen bei ihrer Investitionsentscheidung – weil sie es zum Teil qua Gesetz sogar müssen – wie unter anderem deutsche Kapitallebensversicherungen oder auch internationale Pensionskassen.
Und bei aller berechtigter Kritik an den drei großen amerikanischen Ratingagenturen wird allzu gerne vergessen, dass die Ursache für ein schlechteres Rating zunächst einmal in der schlechteren Bonität des jeweiligen Schuldners liegt – woran auch die vielfach geforderte Einführung einer europäischen Ratingagentur nichts ändern würde.
Arme Staaten mit reichen Bürgern
Allerdings nehmen mittlerweile die Vorschläge zur Bewältigung der Krise bei so manchem angeblichen Pleitekandidaten doch skurrile Züge an.
Da bettelt eines der reichsten der Länder der Erde, Italien, allen Ernstes beim Internationalen Währungsfonds um Geld zur Lösung seiner selbst verursachten Haushaltsprobleme – und niemanden scheint das zu stören. Im Gegenteil, dieses Verhalten wird sogar als normal und legitim zur Lösung der Schulden – und Eurokrise von Experten und Politikern angesehen. Um es deutlicher zu machen: Das private Geldvermögen in Italien liegt bei 3,6 Billionen Euro und ist damit doppelt so hoch wie die kompletten Staatsschulden Italiens. Warum sollen sich dann eigentlich ärmste Länder wie z.B. Haiti oder solide wirtschaftende Schwellenländer gezwungenermaßen über den IWF an der "Rettung" Italiens beteiligen? Ein Staat ist schließlich kein abstraktes oder anonymes Konstrukt, das diese Schulden aufgehäuft hat. Ein Staat besteht aus seinen Bürgerinnen und Bürgern.
Unter diesem Aspekt betrachtet relativieren sich übrigens auch die unzähligen Horrormeldungen und Hiobsbotschaften, die gerne über den deutschen Staat und seine Bonität oder Zahlungsfähigkeit vorzugsweise in der Boulevardpresse verbreitet werden: das deutsche private reine Geldvermögen (also ohne Immobilen) ist mit nahezu 5 Billionen Euro zweieinhalb mal so hoch wie die deutschen Staatsschulden. Natürlich ist dieses Vermögen bekannterweise sehr ungleich verteilt. Dennoch wären wir, also die Bürger der Bundesrepublik Deutschland in der Lage, mit ca. 40 % unseres privaten Geldvermögens unsere kompletten Staatsschulden zu tilgen.
Politische Märkte 2011
Die Finanzmärkte im November waren denn auch wie schon in ganz 2011 ein Spielball der Politik und der Notenbanken – einmal mehr eindrucksvoll zu sehen am 30.11., als die Börsen durch das weltweite Fluten der Märkte mit Liquidität mit Kursfeuerwerken ihre aufgelaufenen Monatsverluste egalisieren konnten. Verluste bei den Renten und den Rohstoffen, aber auch bei einigen Alternatives bescherten dem eurotax all invest leider dennoch einen Monatsverlust von 2,1% im November, der unseren Oktobergewinn wieder ganz aufzehrte. Dennoch sind wir mit der bisherigen Performance in 2011 nicht ganz unzufrieden. Zum einen liegen wir mit unseren Ergebnissen im Vorderfeld vermögensverwaltender Fonds in Deutschland, zum anderen haben wir unsere Mandanten vor den beiden heftigen Einbrüchen im März und im August / September weitestgehend bewahren können, so dass sie eben etwas ruhiger schlafen können.
Wir hoffen im Dezember die Jahresperformance des Fonds noch weiter verbessern zu können- und die Zeichen dafür stehen auch ganz gut – per 08.12. steht der eurotax all invest mit 1,21 % im Plus
Ihr Mitinvestor und Fondsmanager
Jürgen Kohlmann
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